Blockchain-Jargon (I): Smart Contracts, Forks, FUDs

Begriffe wie Blockchain und Kryptowährungen verwirren schon viele ... und dennoch tauchen in Internetdiskussionen immer weitere, damit zusammenhängende Begriffen auf: Smart Contracts, Forks, Proofs, FUDs. Diese Artikelserie erläutert kurz diese Begriffe und gibt eine Einführung in die Blockchain-Technologie.

Der erstaunliche Anstieg des Bitcoin-Wertes führte zu intensiven Diskussionen über die Vorteile, die Gefahren und die Zukunft von Kryptowährungen. Die meisten Artikel in den Mainstream-Medien konzentrieren sich auf die finanziellen Aspekte, d.h., ob Bitcoins einen gesellschaftlichen Wert schaffen oder ob sie nur eine weitere Spekulationsblase sind. Die Technologie dahinter erhält viel weniger Aufmerksamkeit, sieht man von einer kurzen Erwähnung ab: «Blockchains, dezentral geführte Register, sind die Grundlage für Bitcoin-Transaktionen …» Doch steht hinter dieser vereinfachten Beschreibung eine komplexe Umgebung, welche Laien und technologisch versierte Menschen gleichermassen verwirrt.

Gabeln, mit denen man nicht isst.

Die Blockchain-Technologie ist der physische Ausdruck des ewigen Kampfes zwischen zentralen und dezentralen Systemen. Derzeit macht sie ein dezentrales System selbstgeregelter Register möglich, in denen alle Transaktionen gespeichert werden, wobei diese für alle Teilnehmer transparent sind: Es ist, als ob wir alle ein kleines Dokument bei uns tragen, welches aufzeigt, wer wem was schuldet und seit wann. Diese kleinen Dokumente sind das, was man Smart Contracts nennt. Ein Bündel solcher Transaktionen bildet einen Block, und mit jedem neuen Block haben wir endlich die Blockchain.

Obwohl Smart Contracts für eine Reihe verschiedener Anwendungen genutzt werden können, ist deren Verwendung nicht immer offenkundig, weil die allgemeine Diskussion um «die Bitcoin» kreist, als liege ihr einziger Zweck eben in den Smart Contracts. Diese Ansicht ist irreführend. Bitcoins sind eine Blockchain, deren einzige Transaktionsfunktion finanzieller Art ist. Etherum hingegen ermöglicht komplexere Smart Contracts. So wie es einen Unterschied zwischen Bitcoins und Ethereum gibt, tauchen andere Coins und Blockchains auf, die eine Reihe neuer Eigenschaften haben.

Die Blockchain-Technologie und die Smart Contracts, die sie unterstützt, sind letztendlich Code. Es ist, als würde man sagen, dass jedes Glied der Kette in dem Moment geprägt wird, in dem es von jemandem benötigt wird. Vielleicht möchte es jemand in Messing prägen, während jemand anders Eisen benötigt. Wie entscheidet die Ketten-Logik, welches Material das richtige ist, und welches Glied? Woher weiss sie, dass das vorherige Glied aus dem richtigen Material hergestellt wurde? Hier kommen die «Hash»-Algorithmen ins Spiel. Einerseits müssen Blockchains codiert werden, um die Überprüfung von vorherigen Blocks zu vereinfachen, andererseits muss die Erstellung eines neuen Blocks und damit einer neuen Version der Wahrheit ein schwieriger und präziser Prozess sein.

Bei der Überprüfung wird der Aspekt der «Tyrannei der Mehrheit» von Blockchains deutlich: Nur das, was von der Mehrheit unterstützt wird, verlängert die Kette. Aber wie sieht es mit den Leuten aus, welche die Messingkette bevorzugen? Sie können beschliessen, diese weiterzunutzen und sich von der ursprünglichen Kette abzuwenden. Genau dies geschah mit der ursprünglichen Ethereum-Coin, von der es nun zwei Arten des «einen Ethereum» gibt.

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Nachbarschaft würde beschlossen, dass man von nun an Geschäfte lieber mit Monopoly-Geld statt mit echtem Geld abwickeln möchte und dass nach bestimmter Zeit alle Transaktionen mit dieser neuen Währung durchgeführt werden müssen. So in etwa funktioniert es, vereinfacht dargestellt. Eine Gabelung («Fork») des Wegs. Forks können auch von Benutzern oder der Gemeinschaft angestossen werden. Die meisten (weichen) Forks fungieren als Aktualisierungen einer fortlaufenden Kette mit dem Ziel, den derzeitigen Code zu verbessern und beispielsweise ein Sicherheitsproblem zu beheben. Bisweilen versuchen jedoch Betrüger, ihren eigenen Code in die Kette einzuschleusen, und hier zeigt sich die Stärke der Dezentralisierung: Wenn die meisten Benutzer die Seriosität einer Fork anzweifeln, können sie diese beenden. Man könnte nun denken: Und was ist, wenn die Personen, die einen Block erzeugen, einen Betrug vereinbaren? Hier kommen die 51% ins Spiel.

Der 51%-Angriff und FUD

Auch wenn es ungeachtet dessen, was Filme zeigen, im echten Leben nicht ganz so ist, genügt es theoretisch, über 51% der Fähigkeit zur Erstellung eines Blocks einer Blockchain (Mining) zu verfügen, um die Kontrolle über die Kette zu übernehmen und somit zu bestimmen, was deren letztendliche Wahrheit ist. Blockchains sind gegen diese Art von Angriffen durch ihre eigene Struktur geschützt: Jedes Kettenglied enthält einen «Hash», eine Kennzeichnung des vorhergehenden Blocks. Daher wäre es äusserst kostspielig für die Möchtegern-51%, alle Blocks umzuwandeln, die für die Schaffung einer neuen Realität notwendig sind.

Ein 51%-Angriff ist nur eines der Risiken, mit denen Blockchains konfrontiert sind. So wie sich die Technologie weiterentwickelt, tun dies auch die Angriffsmethoden. Dies führt zu hitzigen Diskussionen in einschlägigen oder öffentlichen Foren. Es handelt sich um eine so neue Technologie, dass sie mit viel Angst (fear), Unsicherheit (uncertainty) und Zweifel (doubt), also FUD, behaftet ist. Mit FUD wird eine bestimmte Analyse im Rahmen der Diskussion um Blockchain oder Kryptowährungen als eher angsteinflössend denn konstruktiv beschrieben.

In den kommenden Posts werden wir uns mit anderen Aspekten der Blockchain-Technologie befassen, die oben beiläufig angesprochen wurden. Vor allem strukturelle Aspekte: Berechtigungen, die Frage der Dezentralisierung und eine kurze Übersicht über die Proofs.