Blockchain und Kryptowährungen: Aus dem Hype in das Feuer

Für viele bedeuten diese drei Wörter das Gleiche: Kryptowährungen, Blockchain, Distributed Ledgers. Am Ende ist es doch alles gleich, oder? Deshalb werden sie alle zusammen verschwinden, jetzt, da der Hype vorbei ist. Oder etwa nicht?

Dreivierteljahr hinein und der Hype um Kryptocoin und Blockchain schwindet. Die meisten alternativen Münzen, wie Litecoin, Etherum, Stellar oder EOS, sind bei Ebbe. Bitcoin selbst schwebt um die 6K-Marke herum, und es wird noch spannender. Angesichts der starken Korrelation, die die meisten alternativen Münzen zur „Muttermünze“ haben, sieht es auf der Krypto-Seite zumindest im Moment schlecht aus. Aber was ist mit der Technologie dahinter? Ist die Diskussion über verteilte Ledger wie Blockchain gefährdet? Weit gefehlt.

Im Moment hat die Kryptodiskussion die erste Seite der Zeitungen verlassen. Die Blockchain-Diskussion geht jedoch in ihren technologischen und finanziellen Aspekten gut und gesund weiter.  Erfahrene Menschen sprechen nicht nur von Blockchain, sondern auch vom größeren Konzept dahinter, der verteilten Ledger-Technologie (distributed ledgers). Mit der Reife dieser Technologie treten die ersten konkreten Anwendungsfälle auf. Vom spekulativen Handel mit dem Teilprodukt „Kryptocoins“ hat sich die Diskussion nun auf die Langzeiteffekte von verteilten Ledgern und deren Anwendung konzentriert.

Es gibt eine faszinierende Parallele zu den üblichen technischen vs. fundamentalen Analysen in der Art und Weise, wie diese Diskussion in den vielen Internetforen über Blockchain & CO verläuft. Auf der einen Seite haben Sie Daytrader und ihre Chart- Analysen, die Krönung des spekulativen Kryptocoin-Hypes. Andererseits versuchen fundamentale Analysten herauszufinden, ob es sich aufgrund der Anwendungsfälle hinter einer bestimmten Blockchain-Technologie lohnt, langfristig in den entsprechenden Kryptocoin oder Token zu investieren. Diese letzte Diskussion ist besonders interessant, da das Argument für eine Technologie oft nicht einmal das Argument für ihre Münze unterstützen muss, wie bei Ripple. Die Verwirrung, die durch solche Komplexitäten entsteht, ist verständlich, und da die Krypto-Welt derzeit zusammenbricht, beschließen viele Investoren, zumindest vorerst keine Zeit in sie zu investieren.

In einem Gespräch mit Gunter Schmidt, einem Blockchain-Spezialisten von IBM, erwähnt er, dass verteilte Ledger als Tech eine sehr alte Idee sind, die nun ein Comeback findet, aber immer noch mit dem gleichen Problem konfrontiert ist, das sie in der Vergangenheit eingeschläfert hat: das mangelnde Vertrauen zwischen den Parteien. Und wir sprechen nicht von Vertrauen im technologischen Sinne eines „proof of work / stake / etc.“, sondern von Vertrauen als grundlegendem Bestandteil einer Geschäftsbeziehung wie in „I’m I willing to work with these people using this very same database“. Dies ist ein kniffliges Problem, denn obwohl dezentrale verteilte Ledger und ihre Befürworter auf den dezentralen Aspekt als Schlüsselfaktor des Vertrauens hinweisen, ist die Tatsache, dass es in der Praxis letztendlich viele andere Elemente gibt, die mit der Schaffung eines verteilten, ledgergestützten Prozesses zusammenkommen, die immer noch die Art von Vertrauen benötigen, die nicht durch sie garantiert werden kann.

Die Diskussion ist daher lebhaft und geht jetzt neue Wege, aus der Geldspekulation in die Bereiche Prozess, Geschäftsmodellinnovation und Geschäftstransformation. Wir werden ein Auge darauf haben!

 

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