12. April 2018

Das anonyme Niemandssystem von Econvillage100 und seine Entwicklung

Co-Autorin: Dr. Carolin Güssow
Dritter Teil der Geschichte um Econvillage100.
Die Bewohner von Econvillage100 haben also beschlossen, dass es keinen Zentralplaner mehr geben soll. Wie kann das funktionieren?

Die Bewohner von Econvillage100 haben also beschlossen, dass es keinen Zentralplaner mehr geben soll. Niemand soll für ihre wirtschaftliche Organisation verantwortlich sein, denn nur dann sind sie unabhängig von einem inkompetenten, gierigen Zentralplaner.

Wie kann das funktionieren? Es kann nur dann funktionieren, wenn jeder persönlich für sich oder etwas (ökonomisch) verantwortlich gemacht wird. Wirtschaftliche Entscheidungen wie z.B. über Arbeitseinsatz müssen sich also ganz direkt auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse wie die Menge an Essen auswirken. Jeder hat andere Wünsche und genau diese sollen am besten aus eigener Kraft erfüllt werden. Und natürlich muss dabei sichergestellt werden, dass die Früchte jedermanns Arbeit nicht einfach geklaut werden können. Dann ist die Motivation, sich wirtschaftlich einzubringen am grössten. Wie kann das erreicht werden?

Nach langwierigen Diskussionen entschieden die Econvillager100, dass das am besten erreicht wird, wenn jeder etwas besitzt, über das er frei verfügen kann. Dann wird sich jeder um seinen Besitz kümmern und ihn so einsetzen, dass seine Wünsche am besten befriedigt werden. Die Econvillager benutzen also ein Losverfahren, welches den fruchtbaren Boden inkl. der Pflanzen verteilt. Diejenigen, die leer ausgehen, bekommen die einzigen Sensen und andere Werkzeuge zur Bearbeitung von Feldern. Es gibt nun Boden- und Sensenbesitzer. Keine Gruppe schafft es, ohne die andere zu überleben. Dieses heisst nun Econville. Wie organisieren sich die Menschen in Econville?

Sie erkennen sicher mühelos, dass die Antwort auf eine Marktlösung hinausläuft. Sie entspricht einer Situation, die unserer Realität am nächsten ist. Die Bodenbesitzer werden die Sensenbesitzer anstellen, um auf ihren Feldern zu arbeiten. Da es kein Geld gibt, wird alles in Nahrung abgegolten. Nahrung wird untereinander so getauscht, dass die individuellen Bedürfnisse am ehesten befriedigt werden. Das ist sicher erfolgsversprechender als die Verteilung durch einen Zentralplaner, der alle individuellen Bedürfnisse gar nicht kennen kann.

Wichtig ist folgender Punkt: Mit der Einführung von Privateigentumund der freien Verfügung über die eigene Ausstattung, entsteht der Anreiz, die Gewinne in Form von Essen oder auch Freizeit zu optimieren, denn etwaige selbst erwirtschaftete Profite gehören einem ebenfalls selbst. Aus der Einführung von Privateigentum folgt quasi automatisch die Organisationsform Markt.

Natürlich ist das eine phantastische Welt, Gibt es vielleicht doch mal Probleme, müssen Eigentumsfragen schnell, einfach und verlässlich geklärt werden können. Auf „ökonomisch“ muss also eine funktionierende Eigentumsordnung inkl. einer (leichten) Durchsetzbarkeit von Verträgen vorliegen – sonst gibt es keine Marktlösung. In Econville haben sie deswegen ein perfektes Rechtssystem etabliert, was Eigentums- und Vertragsverstösse sofort zu geringen Kosten korrigiert. Sie sehen also, dass wirtschaftliche Aktivität nie komplett unabhängig von anderen Institutionen wie beispielsweise derjenigen eines Rechtssystems ist.

Was „niemand“ in einem Markt bedeutet, wie der Markt illustriert werden kann und was Preise für eine Rolle spielen, finden Sie im nächsten Blogbeitrag «Economics». Überlegen Sie sich doch bereits, wie Sie „Markt“ malen würden….

Hier finden Sie Teil I, Teil II, und Teil IV dieser Serie.

Über die Autorin / den Autor
Prof. Dr. Johannes Binswanger Johannes Binswanger hat den Lehrstuhl für Business Economics and Public Policy inne – mit einem Schwerpunkt in der Executive-Weiterbildung. Der Lehrstuhl wird dankenswerterweise grosszügig von Dr. Josef Ackermann gefördert, dem ein grosses Anliegen ist, Teilnehmende in der Führungskräfte-Weiterbildung mit wichtigen Themen der Volkswirtschaftslehre vertraut zu machen. Sie sollen lernen, in grossen Zusammenhängen zu denken und ein tiefgehendes intuitives Verständnis für volkswirtschaftliche Prozesse und die darin involvierten Institutionen (wie z.B. Zentralbanken) zu entwickeln. Dies unterstützt die Führungskräfte, in der Praxis bessere Entscheidungen zu treffen.