Das Problem ist nicht Datenschutz, sondern das Sammeln von Daten! – Web Summit 2019

Passend zu den neuesten Trends in der Welt der Technik, Nachhaltigkeit und Wirtschaft war die Executive School der Universität St. Gallen bei der Web Summit 2019 dabei. Hier können Sie einige Highlights dieser beeindruckenden Konferenz lesen.

Der Web Summit in Lissabon war wieder einmal erfolgreich.

Tausende von Teilnehmern aus der ganzen Welt strömten vom 4. bis 7. November in die vielen Pavillons in Lissabon, um den neuesten Stand der Technik und der Wirtschaft im Allgemeinen zu erleben. Die Hallen waren besetzt von Hunderten von Start-ups und Dutzenden von grossen Namen im Geschäftsleben fast aller Branchen. Die Referenten behandelten diverse Themen, wie die Zukunft der Menschen auf dem Mars bis hin zu erstaunlichen hirngesteuerten Anwendungen oder auch über die Sexualität im 21. Jahrhundert.

Bei all dem fragt man sich, was die Hauptaspekte sind, die aus einem so riesigen Treffen von Geistern herausgenommen werden müssen. Lassen Sie mich versuchen, einige relevante Inhalte und Trends des diesjährigen Web Summit zusammenzufassen.

„Um jemanden zu beschützen, musst du jeden beschützen.“

Edward Snowden war der Star der Eröffnungsnacht des Web Summit. Wie erwartet, konzentrierte sich sein Interview auf die aktuellen Aspekte von Datenschutz und Internet. Snowden hielt eine kurze, aber leidenschaftliche Rede über die Bedeutung der Erkennung des wahren Problems: unsere Akzeptanz des Sammelns von Daten als etwas Selbstverständliches. Er glaubt, dass GDPR ein (bescheidener) Schritt in die richtige Richtung ist, da es sich immer noch auf den Datenschutz konzentriert, der für ihn nur ein Aspekt des grösseren Problems ist. Auf die Frage, wie Unternehmen mit Daten und ihren Kunden umgehen sollten, antwortete Snowden: „Sie als Unternehmen müssen Ihren Kunden zeigen, dass sie Ihnen nicht vertrauen müssen“ und dass daher der Datenschutz kein Streitpunkt sein soll. Die Unternehmen sollten so transparent über ihren Umgang mit Daten sein, dass dies nicht durch Gesetze und Vorschriften wie die GDPR geregelt werden müsste.

Geschäftstrends und Technologie sind ein und dasselbe.

Der Web Summit hat sich als eine Konferenz etabliert, deren Umfang viel grösser ist als ihr rein technischer Ursprung. Es ist heute klarer denn je, dass über Unternehmertun reden dasselbe wie über Technologie reden bedeutet. Dieses Gespräch zieht sich über alle Geschäftsfelder, sei es Unterhaltung, Gesundheit, Produktion oder Einzelhandel. Technik soll bei allen Menschen zentral sein, statt sich als elitären Expertenbereich darzustellen – so die Kernbotschaft des Web Summit.

Die Organisatoren verfolgten daher einen vielfältigen, geschlechtsneutralen Umgang mit Technologie. Dies zeigte sich auch am Verhältnis von etwa 50/50 Frauen/Männern bei den Referenten. Auch bei den Startup-Präsentationen während des Eröffnungstages präsentierten sich insbesondere Frauen. Dieser ganzheitliche, offene Ansatz der Technologie als menschliche Fähigkeit ist möglicherweise einer der Hauptgründe dafür, dass eine solche technologieorientierte Konferenz zu 46.3% von Frauen besucht wurde. Dies ist ein sehr wichtiger Trend, der noch nicht in die höheren Ebenen der Geschäftswelt Einzug gehalten hat. Wie wir wissen, sind Vielfalt und Integration immer noch ein Thema.

„Web Summit ist der Ort, an dem die Zukunft geboren wird.“

The Atlantic

KI/Maschinenlernen ist allgegenwärtig…. und die Personalabteilung bekommt einige Überraschungen.

Eine Besucherin des Web Summit kann durchaus glauben, dass künstliche Intelligenz (KI) überall ist, und sie hätte Recht! Sie ist inzwischen so weit verbreitet, dass sie nicht einmal mehr als Alleinstellungsmerkmal erwähnt wird. Die Unterstützung von Business Cases und Anwendungen durch eine KI ist für uns selbstverständlich. Jedes Tech-Start-up oder modernes Unternehmen, das sein Geld wert ist, nutzt sie. Die Technologie findet ihren Weg durch alle möglichen Branchen und Szenarien, sei es in den Bereichen Finanzen, Gesundheit oder sogar Unterhaltung.

Wenn es einen Bereich gibt, in dem viel KI-Tech-Licht darauf fätt, dann ist es der Personalbereich. Da die KI ziemlich weit entwickelt ist, insbesondere in der Sprachwissenschaft, entdecken wir viele neue und alte Unternehmen, die bereit sind, dies zu nutzen, um zu garantieren, dass sie den Krieg um Talente gewinnen. Der Web Summit fand statt mit Start-ups, die sich der Lösung von HR-Problemen widmeten, sei es, um die richtigen Leute zu finden, sich zu positionieren oder ihre Mitarbeitenden am richtigen Ort zu halten. Auch verwandte Themen wie Diversität und Inklusion oder Teambildung fanden einen Weg in diese Entwicklungen und viele Start-ups boten interessante Möglichkeiten, Bewerbungen, Stellenangebote oder exotischere Aspekte der Talentakquise zu analysieren.

Blockchain… ja, ja, kenne ich.

Wie in einem früheren Beitrag erwähnt, ist der Blockchain-Hype vorbei und steigt nun langsam aus dem Tal der Enttäuschung. Es gab viel weniger Start-ups, die auf dieser Technologie basierten, als beim letztjährigen Web Summit und nur einen einzigen Vortrag speziell zum Thema (ironischerweise darüber, ob es dafür einen Nutzen gibt; und ja, es gibt ihn). Abgesehen von den immer anwesenden naiven „wechsle-mein-token-durch-irgendetwas“-Startups gab es nichts, was unsere Aufmerksamkeit als besonders vielversprechend erregte. Die Blockchain hat noch nicht gezeigt, wo sie ihren Platz zum Leuchten finden wird.

Was die Zukunft bringt…..

Wie bei einer solchen Technologiemesse üblich, wird vieles, was wir gesehen haben, bis zum nächsten Web Summit nicht überleben. Das ist die Geschwindigkeit unserer Zeit und der Grund, sich ständig zu aktualisieren (#lifelonglearning). Und genau das ist es, worum es an der Executive School geht.