28. September 2021

Das zweischneidige Schwert der ESG (Environment Social Governance)

Während die Unternehmen beginnen, die notwendigen ESG-Maßnahmen zu ergreifen, müssen sie sicherstellen, dass ihre ESG-Kommunikation nicht ihre ESG-Ergebnisse übertrifft. Unzureichend untermauerte ESG-Behauptungen, ob auf der Webseite, in der Werbung oder in Geschäftsberichten, können selbst ein ESG-Risiko darstellen.

Verschiedene nationale und globale Studien zeigen immer wieder, wie schnell ESG auf der Agenda von Unternehmensvorständen und Geschäftsleitungen auftaucht.

Angesichts des Klimawandels – sowie des Drucks von Stakeholdern und zunehmend auch von Regulierungsbehörden – erkennen die Unternehmen das erhebliche Risiko, das mit einer Vernachlässigung des Themas verbunden ist.

Ermutigt durch die positive Resonanz (auch von ihren eigenen Mitarbeitern) auf Aussagen wie „Wir haben uns voll und ganz zu ESG verpflichtet“ oder „ESG ist Teil unserer Geschäftstätigkeit“, entwickeln viele Unternehmen mit Begeisterung Kommunikationsstrategien, um über ihre Nachhaltigkeitsleistungen oder ihre „ESG-Reise“ zu sprechen.

Doch wie die Restaurantkette Red Lobster feststellen musste, sind ESG-Behauptungen nicht von der öffentlichen Kontrolle ausgenommen. Es wurde eine gerichtliche Klage eingereicht gegen ihre Behauptung, dass ihre Hummer aus nachhaltigen Quellen stammen.

Unabhängig davon, ob die Klage gerechtfertigt ist oder nicht, zeigt dieser Fall, dass ESG ein zweischneidiges Schwert ist. Anleger, Aktionärsvertreter und Aufsichtsbehörden sind bereits seit einiger Zeit besorgt über das „Green Washing“ von Unternehmen. Aber diese Sorgen gehen heute darüber hinaus.

So untersucht zum Beispiel die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, ob einige Nachhaltigkeitsfonds möglicherweise ihre Kriterien verfälschen und damit die Anleger darüber täuschen, wie ESG-freundlich die Unternehmen sind, in die ihre Fonds investieren. Auch für einzelne börsennotierte Unternehmen besteht ein Risiko. Jede Ungenauigkeit in der Selbstdarstellung betreffend Nachhaltigkeit oder in der Berichterstattung könnte nach dem Wertpapierrecht und anderen Gesetzen als falsche oder irreführende Aussage qualifiziert werden.

Was ist also zu tun? Im Folgenden finden Sie sechs Fragen, die helfen sollen, das Risiko zu verringern, dass gute ESG-Absichten zu einer rechtlichen, ethischen oder reputationsbezogenen Haftung für das Unternehmen führen.

1) Wie gut ist unsere ESG-Governance? Welche Kontrollen und Ausgleichsmassnahen gibt es?

2) Unterziehen wir jede ESG-Behauptung einer gründlichen Compliance- und Risikoprüfung, so wie wir es mit unserer normalen Werbung tun?

3) Beziehen wir die Risiko- und Compliance-Funktionen in Bezug auf ESG ausreichend ein?

4) Wenn wir über bestimmte Ergebnisse berichten, wie zuverlässig sind die Leistungskennzahlen?

5) Ist unsere „Nachhaltigkeitsgeschichte“ insgesamt zu optimistisch, um glaubwürdig zu wirken… um nachhaltig zu sein?

6) Wenn wir ESG mit dem Vergütungssystem verbinden, legen wir dann ESG-Ziele fest, die für das Management zu leicht zu erreichen sind?