Der Innovationskreislauf: Lernen zu lehren, um zu lernen zu lehren… ODER Wie Covid-19 die Zukunft in die Gegenwart brachte

Wenn man eine neue Stelle antritt, sorgt selbst eine Excel-Tabelle für einen hohen Dopamin Spiegel. Für unser stets neugieriges menschliches Gehirn ist «neu» gleichbedeutend mit aufregend. So fühlte es sich an, als ich vor etwa fünf Jahren zum ersten Mal einen Fuss an die Universität St.Gallen setzte. Ich war der neue "Technology Based Learning Manager", später umbenannt in «Innovation Manager». Ich sollte unser Lehren und Lernen verbessern. Dabei lernte ich so einiges…

Das waren die Zeiten vor Covid. Online-Sitzungen, hybrides Lernen und dergleichen waren damals nur ein Trend. Leute besuchten YouTube zum Spass und nicht um etwas zu lernen. Manche hielten Online-Unterricht sogar für einen toten Trend. Die Executive School wusste es besser, denn deshalb hat sie einen „Technology Based Learning Manager“ engagiert. Wir mussten experimentieren und lernen, wie man digital unterrichtet. Wir mussten innovativ sein.

 

Damals waren selbst einfache Webinare in Bildungseinrichtungen nicht üblich. Sie galten als Marketing-Gag und nicht  als ein echtes Lehrmittel. Wir glaubten jedoch, dass sich dies ändern würde und begannen zu lernen, wie Webinare produziert werden. Dabei benutzten wir das damals noch unbekannte und von einem Start-up entwickelte Tool namens «Zoom». Das war Anfang 2018, damals gab es noch nicht einmal Zoom-Aktien.

 

Die Webinare sind bei den Teilnehmenden sehr gut angekommen und das brachte uns auf eine Idee. Wie wäre es, wenn wir die Lernelemente aus den Webinaren auch im Unterricht einsetzen würden? Wir mussten also lernen, wie wir die Lernelemente den Studierenden zur Verfügung stellen und wie wir Videos bearbeiten und anreichern können. Der Druck der Studierenden beziehungsweise das Bedürfnis der Teilnehmenden an Online-Unterricht war damals kaum spürbar. Bis Covid-19 kam. Und mit der Pandemie die Zukunft der Bildung.

 

Wir waren (fast) bereit für die Veränderungen, denn wir wussten, wie Lerninhalte erstellt werden und wie der Unterricht gestreamt werden kann. Nun ging es darum, das gelernte zu skalieren, denn an der gesamten Universität herrschte plötzlich ein riesiger bedarf. Ein neues Problem tauchte auf: Massenstreaming. Wir mussten lernen, wie man am besten mit Kameras, Audio und den rechtlichen Aspekten der Aufnahme von Inhalten (und Menschen) umgeht.

 

Heutzutage, scheint das alles längst Geschichte zu sein. Online-Sitzungen sind allgegenwärtig. Hybrider Unterricht ist die Regel und nicht die Ausnahme. Die Bildung musste eine massive Innovationswelle durchlaufen. Was wir in diesen schwierigen Zeiten gelernt haben, lassen wir jetzt in unseren Unterricht einfliessen. Die Umwälzungen im Bildungsbereich sind ein hervorragendes Beispiel. Hier an der Executive School haben wir aus der Disruption gelernt. Nun sind wir bereit, sie zu lehren.

Über die Autorin / den Autor
Julio Prina Julio Prinas Karriere begann in seiner Heimat Brasilien. Dort erwarb er einen Master in Public Policies und arbeitete als Projektleiter, Sozialarbeiter und Forscher. In der Schweiz setzte er sein Studium fort und erhielt einen Master in Law & Economics an der Universität St. Gallen. Nach ein paar Jahren als Projektleiter und Berater für ein Schweizer Hightech-Unternehmen, unterstützt er jetzt die Executive School als Technology Based Learning Manager.