16. September 2020

Die Bedeutung von Diversität & Inklusion

Heutzutage ist es als erfolgreiches Unternehmen von enormer Wichtigkeit, eine inklusive Kultur zu schaffen und zu pflegen. Wir haben mit Sina Fäckeler (Dr. rer. soc. HSG) - "Global Head of Learning, Talent & Leadership Development, D&I / Wellbeing" der AXA Group Operations - über die Bedeutung von Diversität & Inklusion am Arbeitsplatz und im privaten Bereich gesprochen und einige spannende Einblicke erhalten.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Diversifizierung und Vielfalt?

Diversifizierung liegt vor, wenn wir eine Personalpolitik ermöglichen, die die Zahl der Mitarbeiter mit Minderheitshintergrund in unserem Unternehmen erhöht – egal, ob es sich dabei um Frauen, ethnische Minderheiten, LGBTQ oder Menschen mit Behinderungen handelt. Aber wir können und müssen noch weiter gehen, indem wir Standards zu Vielfalt und Inklusion einführen, die nicht nur die Zusammensetzung unserer Belegschaft diversifiziert, sondern auch den gleichberechtigten Zugang zu Leistungen und Möglichkeiten in Bezug auf Gehalt, Beförderung, Mobilität, Ausbildung usw. garantiert.

Eine Kultur von Vielfalt & Inklusion geht über Diversifizierung hinaus: Es ist eine ständige Verpflichtung, unsere Personalprozesse zu überprüfen, um sicherzustellen, dass niemand diskriminiert wird. Bei AXA Group Operations konzentrieren wir uns auf die Vielfalt von Geschlecht, Alter, Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder -ausdruck und Behinderung. Da wir ein globales Unternehmen sind, ist die Vielfalt unserer Belegschaft repräsentativ für die Märkte, in denen wir tätig sind.

 

Sowohl bei der AXA als auch an der Universität St. Gallen wird jedes Jahr der Pride Month gefeiert. Warum ist dieser so wichtig? Sollte jede Universität/Unternehmen eine solche Aktivität durchführen?

Ein von Inklusion geprägtes Arbeitsumfeld schätzt alle Ausdrucksformen der Vielfalt, und dies gilt auch für die sexuelle Orientierung und die geschlechtliche Identität. Bei AXA ist die LGBTQ-Inklusion ein Kernstück unserer globalen Diversitäts- und Integrationsstrategie. Auf Gruppenebene haben wir uns verpflichtet eine Unternehmenskultur der Inklusion für unsere gesamte Belegschaft zu schaffen – durch Maßnahmen zur Erhöhung der Wahrnehmung und durch diverse Aktivitäten zur Schaffung eines von Inklusion geprägten Arbeitsumfelds. Auf lokaler Ebene sponsern einige unserer Ländergesellschaften Veranstaltungen während des Pride Month oder führen auf der Grundlage ihres kulturellen und rechtlichen Rahmens eigene Initiativen für die Community durch.

Persönlich weiss ich, wie schwierig es für einen LGBTQ-Mitarbeitenden sein kann, sich vor seinen Kollegen und Managern zu outen. Wir möchten auch, dass unsere Kollegen wissen, dass es an ihnen liegt zu entscheiden, ob und wann sie diesen Schritt tun möchten. Aber wir möchten auch, dass sie wissen, dass sie mehr als willkommen sind, so wie sie sind!

Den Pride Month zu feiern, ist für AXA Group Operations eine Möglichkeit, eine Umgebung des „Willkommen-seins“ für unsere LGBTQ-Kollegen zu schaffen. Es ist eine Gelegenheit, uns daran zu erinnern, dass alle Menschen ihren Wert in unserem Unternehmen haben und dass es in unserer Gemeinschaft keinen Platz für Homophobie oder Transphobie gibt.

Ich denke, jede Universität oder Firma, die Vielfalt und Inklusion schätzt, liegt völlig richtig damit, den Pride Month zu feiern. Es ist jedoch noch wichtiger, sich darauf zu konzentrieren, was wir das ganze Jahr über tun können, um eine offene und tolerante Umgebung zu schaffen.

 

Welches sind Ihre Hauptschwerpunkte bei Ihrer Arbeit bei AXA? Was ist für Sie und AXA im Zusammenhang mit der Vielfalt wichtig?

Meine Rolle bei AXA umfasst drei Verantwortungsbereiche, die alle wichtigen Einfluss auf die Schaffung eines von Inklusion geprägten Arbeitsumfeldes haben. Erstens: Lernen und Entwicklung. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass jeder Zugang zu den Ressourcen hat, die er braucht, und dass unsere Trainingsangebote die Vielfalt unserer Teams widerspiegeln. Zweitens: Talent- und Führungsentwicklung. Wir setzen uns für Chancengleichheit in allen Aspekten der Beschäftigung und für einen fairen und gerechten Beförderungsprozess ein. Und drittens: Diversität & Inklusion und Wellbeing. Hier besteht meine Aufgabe darin, ein größeres Bewusstsein unter unseren Kollegen für Inklusion zu fördern und die Kanäle zu schaffen, die es uns ermöglichen, problematische Situationen zu antizipieren, zu erkennen und zu lösen.

Bei AXA haben wir globale Prioritäten festgelegt, die uns dabei helfen, unsere Bemühungen um Inklusion und Vielfalt möglichst wirkungsvoll zu fokussieren und unseren Fortschritt kontinuierlich zu messen. Unsere derzeitigen Fokuspunkte: Geschlecht/Geschlechtsidentität, Behinderung, LGBT+, Herkunft, Mehrgenerationen. Unser Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Mitarbeiter mit Würde und Respekt behandelt werden und in dem individuelle Unterschiede geschätzt werden.

 

Was ist für Sie als Führungsposition in den Bereichen D&I persönlich wichtig?

Ich bin persönlich sehr stark davon überzeugt, dass Vielfalt unser aller Leben bereichert und dass  kein Weg an einer inklusiven Gesellschaft und einem inklusiven Arbeitsumfeld vorbeiführt. Warum? Weil ich die Bereicherung durch Diversität & Inklusion mein ganzes Leben lang erfahren habe. Ich wäre nicht die Person, die ich heute bin und hätte nicht so viele wunderbare Erfahrungen gemacht, wenn Vielfalt und Inklusion nicht Teil meines bisherigen Lebens gewesen wären. Ich möchte Ihnen einige Beispiele nennen: Ich bin mit meiner Cousine aufgewachsen, die von Geburt an ein Handicap hat, und sie war mir immer ebenbürtig. Ich habe in Deutschland, in den Niederlanden, in der Schweiz, im Vereinigten Königreich und in Frankreich gelebt und die Schönheit der Vielfalt Europas erlebt. Ich habe eine halb chinesische/halbdeutsche Schwester, meine Frau ist halb britisch/halb deutsch. Egal, wie sehr wir uns von anderen unterscheiden, wir sind alle miteinander verbunden. Ich ermutige jeden dazu, Vielfalt und Inklusion zu leben statt Separierung und Ausgrenzung. Ihr Leben und ihre Ansichten werden bereichert werden. Bei der Arbeit versuche ich tagtäglich mit gutem Beispiel voranzugehen – indem ich mir erlaube so zu sein und mich zu zeigen, wie ich bin, aber noch viel wichtiger indem ich durch mein tägliches Verhalten und meinen Führungsstil Diversität & Inklusion vorlebe. Für eine inklusive Kultur ist es zentral, dass wir uns für die anderen Menschen, insbesondere für die wir verantwortlich sind, interessieren und uns ehrlich um sie bemühen.

 

Was sollten Unternehmen im Zusammenhang mit D&I vermeiden?

Ich denke, der grösste Fehler für ein Unternehmen wäre es, sich nicht mit diesem Thema zu befassen. Kein Thema sollte tabu sein, und kein Mitarbeiter sollte sich ausgeschlossen oder unwillkommen fühlen. Diversität und Inklusion sind wichtig für erfolgreiche Unternehmen, und es lohnt sich immer zu hinterfragen, wie wir es besser machen können. Eine solide D&I-Politik hat einen messbaren Einfluss darauf, wie attraktiv ein Unternehmen für (potenzielle) Mitarbeiter ist, und auf eine effektive Teamarbeit.

 

Wie stehen Sie zur BLM-Bewegung? Warum ist dieses Thema relevant? Warum ist es für AXA relevant?

Auf persönlicher Ebene und als Bürger bin ich bewegt und traurig über die Diskriminierungen, die Menschen anderer Hautfarbe noch immer erfahren. Das ist für mich persönlich eine nicht akzeptable Ungleichheit. Ich sehe die Black Lives Matter Bewegung als eine wichtige Möglichkeit, diese Ungleichheit für alle sichtbar zu machen und die Stimme der Betroffenen zu hören, und um Veränderungen zu initiieren. Für viele von uns kann das Miterleben dieses Moments als Katalysator wirken und wir sollten uns meiner Meinung nach fragen, ob wir sowohl in unserem Privatleben als auch am Arbeitsplatz genug tun, um gegen Ungleichheiten und Diskriminierung vorzugehen.

 

Was sollte jedes Unternehmen tun, um Vielfalt und einen integrativen Arbeitsplatz zu fördern?

Es gibt keine fertige Antwort oder Zauberformel! Inklusion und Vielfalt sollten in die Unternehmenskultur und Geschäftsstrategie integriert werden. Wir brauchen auf allen Ebenen Führungskräfte, die für den Fortschritt verantwortlich und die aktive Verbündete sind. Die bereit sind, sich für diejenigen einzusetzen, deren Stimme weniger gehört wird. Es ist wichtig, Mitarbeiter zu ermutigen, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um sich über diese Themen zu informieren. Wir sollten Chancengleichheit für alle bieten, aber das bedeutet auch, dass wir jede Voreingenommenheit, die zu Diskriminierung führen könnte, verfolgen und die Politik und die Prozesse laufend überprüfen müssen. Und natürlich sollten wir Unterschiede feiern und anerkennen, denn alle profitieren davon, wenn wir an unserem Arbeitsplatz ganz wir selbst sein können. Das macht uns gemeinsam stärker. Unternehmen können durchaus Agenten des Wandels in einer sich entwickelnden Gesellschaft sein.

 

Vielen herzlichen Dank für das spannende Interview und alles Gute für die Zukunft!

Über die Autorin / den Autor
Noah Bürgin studiert im Masterstudiengang Business Innovation (MBI) an der Universität St.Gallen. Zudem arbeitet er als studentischer Mitarbeiter an der Executive School of Management Technology and Law der Universität St.Gallen.