13. Mai 2020

Die Corona-Krise: ein Wendepunkt in der Weiterbildung?

Die Weiterbildungsanbieter mussten in den letzten Wochen so einiges über den Haufen werfen und ihren Unterricht umstellen. Dabei wurde auch viel kreative Energie freigesetzt, neue Ideen kreiert und bereits einiges umgesetzt. Was wird sich verändern, was wird bleiben? Ein Praxisbeispiel aus dem Bereich «Women Back to Business» an der Executive School.

Ein letztes, leises Gespräch unter den Teilnehmerinnen. Die Stühle werden zurechtgerückt. Wir hören ein Räuspern. Die Präsentation geht los. So hätte Ende März eigentlich der «Women Back to Business»-Lehrgang am Weiterbildungszentrum der Universität St.Gallen wieder starten sollen. Es kam anders. Innerhalb einer Woche wurde alles umgestellt. Die ersten Module der Managementweiterbildung für Wiedereinsteigerinnen und Umsteigerinnen fanden online statt. Die Dozierenden passten ihre Didaktik um, unser Tech-Team stellte in Windeseile die technischen Möglichkeiten bereit und unsere Teilnehmerinnen liessen sich spontan auf eine doppelte Lernerfahrung ein und haben neben der Einführung ins Managementmodell und ins Strategische und Internationale Management gleich auch noch den Umgang mit virtuellen Gruppenarbeiten gelernt und ihr LinkedIn-Profil auf Vordermann gebracht.

Die Lernkurve war für alle steil, wir hatten aber auch viel Spass dabei. Die Online-Module werden den Präsenzunterricht indessen nicht vollständig ersetzen. Denn das Networking, das an der Universität St.Gallen ein Kernstück für eine erfolgreiche Weiterbildung und Karriere ist, fehlt allen Teilnehmenden. Vor allem für die Teilnehmerinnen des «Women Back to Business»-Programms ist es essenziell, mit potenziellen Arbeitgebenden in direkten Kontakt zu treten und sich mit anderen Teilnehmerinnen in einer ähnlichen Lebenssituation auszutauschen. Wie wir diese Herausforderung meistern, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Ein paar vielversprechende Ideen haben wir bereits im Hinterkopf.

Was nach der Krise bleiben wird: Unser geschätzter Präsenzunterricht wird in Zukunft mit Online-Modulen und den damit verbundenen neuen Lernmöglichkeiten ergänzt werden. Das bisherige «Female Leaders Seminar» bestand fast ausschliesslich aus Präsenzunterricht und wurde nun aufgrund der aktuellen Situation überarbeitet. Das neue Format «Aiming Higher – Women’s Leadership Programme» – ein dreieinhalbtägiges Angebot für Frauen im unteren und mittleren Management – ist neu eine spannende Kombination aus virtuellen Online-Lernsequenzen und Präsenzunterricht: Am Präsenztag steht, neben dem direkten Netzwerken mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Branchen, die gegenseitige Inspiration und der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Im Lernprozess äusserst wichtige Aspekte, die wir auch in Zukunft nicht missen möchten.

Wir haben es in den letzten Wochen gelernt. Das griechische Wort «krisis» bedeutet nicht, dass eine Situation ausweglos ist. Es zeigt den Wendepunkt einer Lage an. Ab diesem Höhepunkt kann es eigentlich nur besser werden (Quelle: zeit.de). Wir Menschen sind anpassungsfähig und kreativ. Und so blicken wir nach vorn und nutzen die Krise als Chance, unsere Empowering-Programme für Frauen noch wirkungsvoller zu machen.