1. Februar 2021

Die grössten Anwaltskanzleien der Schweiz

Anwaltsunternehmen sind selbst im Corona-Jahr 2020 mehrheitlich gewachsen. Bereits drei Schweizer Kanzleien beschäftigen über 200 Juristen. Innerhalb der Anwaltsunternehmen bestehen aber grosse Unterschiede bezüglich der Zusammensetzung des juristischen Personals. Hier die Übersicht.

Walder Wyss ist mit 234 Anwälten und Substituten das grösste Schweizer Anwaltsunternehmen. Rechnet man das nicht juristisch tätige Personal dazu, hat sich die Kanzlei zu einem Grossunternehmen gemausert, das nicht mehr als KMU gilt (Grenze gemäss Bundesamt für Statistik bei 250 Mitarbeitenden). Dies gilt neben Walder Wyss für weitere grosse Kanzleien in der Schweiz.

Während einige Anwaltsunternehmen im vergangenen Jahr personelle Einbussen erlitten, hat die Mehrheit der grossen Kanzleien ihren Personalbestand weiter ausgebaut. Schweizer Kanzleien folgen damit dem internationalen Trend stetigen Wachstums im Anwaltsgeschäft. Doch es gibt erhebliche Unterschiede bezüglich der personellen Zusammensetzung. Auf zwei dieser Unterschiede wird im Folgenden kurz eingegangen: den Leverage und die Substituten.

Zum einen unterscheiden sich die Anwaltsunternehmen stark in Bezug auf ihren Leverage, d.h. das Verhältnis von (Equity-)Partnern zu den anderen juristischen Mitarbeitenden (ein Leverage von z.B. 2.0 bedeutet, dass auf jede/n Partner/in weitere 2 Jurist/innen kommen, die nicht Partner sind). Mit 2.9 Counsels und Associates pro Partner ist der Leverage bei Lalive am grössten und fast sechsmal höher als bei Bratschi (0.5). Zählt man zusätzlich die Substituten dazu, steht Lenz & Staehelin mit einem Verhältnis von einem Partner auf insgesamt 3.7 Counsels, Associates und Substituten auf dem ersten Platz. Ein hoher Leverage kann einhergehen mit einem höheren Gewinn pro Partner, zwingt die Partner jedoch automatisch zu mehr Akquise, damit sie ihre Teams ausreichend mit Arbeit auslasten können. Ferner fordert dies damit einhergehend mehr Koordinations-, Qualitätssicherungs- und Verwaltungsaufwand. Für ambitionierte Berufseinsteiger bedeutet es aber auch, dass ein Karriereweg bei Lalive, Lenz & Staehelin oder Homburger gut überlegt werden sollte. Denn ein grösserer Leverage kann einerseits auf ein selektiveres Aufnahmeverfahren in die Partnerschaft hindeuten und andererseits aufgrund der höheren Zahl an Associates zu mehr Wettbewerb unter denselben führen.

Neben grossen Differenzen beim Leverage positionieren sich Anwaltsunternehmen auch unterschiedlich, wenn es um den Einsatz von Anwaltspraktikanten, sogenannten Substituten, geht. Mit Abstand am Stärksten vertreten sind diese bei Lenz & Staehelin, wo pro Partner gut 1.2 Substituten angestellt sind und diese fast 25% aller juristischen Fachkräfte repräsentieren. Ganz anders sieht die Situation bei Bratschi aus, wo auf fünf Partner nur ein Substitut kommt, oder bei Kellerhals Carrard, Lalive, Pestalozzi und Walder Wyss, wo Substituten weniger als 10% der juristischen Belegschaft ausmachen. Neben weiteren Auswahlkriterien (einige Beispiele: Findet eine Rotation von Abteilung zu Abteilung statt? Ist man einem Partner oder Team fest zugeteilt oder bilden die Substituten einen Pool? Werden kanzleiinterne Anwaltsprüfungsvorbereitungen durchgeführt?) tun angehende Substituten also gut daran, sich diese Zahlen vor Augen zu halten, bevor sie ihre Bewerbung versenden.

Die Zahlen basieren auf einer Zählung der auf den jeweiligen Homepages abrufbaren Profile (Erhebung: 10. bis 14. Januar 2021). Ferner gilt: Partner beinhalten auch Principals, Of-Counsel auch Konsulenten und Senior Counsel, Senior Associates auch Managing Associates.

 

 

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Über die Autorin / den Autor
Dario Ramon Buschor studierte Law & Economics an der Universität St. Gallen, bevor er im Herbst 2018 ein Doktoratsstudium aufnahm. Darios Forschungsschwerpunkt liegt im Management von Anwaltskanzleien.