Die nächste Generation von Ärztinnen stärken

Bei dem Wort "Arzt" oder "Chirurg" denken viele Menschen immer noch an einen Mann im weissen Kittel. Aber wussten Sie, dass seit 2005 mehr als die Hälfte aller Absolvierenden eines Medizinstudiums in der Schweiz Frauen sind? Infolgedessen machen Frauen heute rund 43% aller praktizierenden Ärzt:innen aus. Doch wenn es um Führungspositionen in der Schweizer Medizin geht - sei es in Spitälern, Forschungsspitälern, Kliniken oder berufspolitischen Gremien - ist das Bild des Mannes im weissen Kittel immer noch die Norm.

Man könnte annehmen, dass sich die Führungspositionen in der Medizin automatisch mit Frauen füllen werden, wenn eine jüngere Generation von überwiegend Ärztinnen in ihrer Karriere vorankommt. Untersuchungen zur Geschlechterrepräsentation in Schweizer Spitälern ergeben jedoch ernüchternde Daten. In jeder Altersgruppe sind Ärztinnen in den höheren Hierarchieebenen seltener vertreten, als man aufgrund ihres Anteils in der jeweiligen Altersgruppe erwarten würde. So ist beispielsweise der Anteil der Frauen in Chefarztpositionen in der Regel nicht einmal halb so gross wie der Frauenanteil in der jeweiligen Altersgruppe. (https://saez.ch/article/doi/saez.2020.18764)

Dieser «Gender Gap» kann zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass mehr Ärztinnen in Teilzeit arbeiten oder sogar ganz aus dem Arztberuf aussteigen als Männer. Frauen geben als häufigsten Grund die mangelnde Vereinbarkeit des Berufs mit der Kinderbetreuung an, gefolgt von dem hohen Arbeitspensum und den Arbeitszeiten, während diese Faktoren für männliche Ärzte, die den Beruf verlassen, weit weniger wichtig sind.

Mehrere führende Schweizer Spitäler haben die Notwendigkeit eines Wandels erkannt und suchen nach Wegen, den Arztberuf für Männer und Frauen familienfreundlicher zu gestalten. Sie haben auch die Notwendigkeit erkannt, junge Ärztinnen besser auf eine Karriere in der Medizin vorzubereiten, indem sie sie zum Beispiel dabei unterstützen, informierte Karriereentscheidungen zu treffen, Fähigkeiten für die Zukunft anzueignen, und frühzeitig ein berufliches Netzwerk aufzubauen.

Zu diesem Zweck haben mehrere Schweizer Spitäler in Zusammenarbeit mit dem Competence Centre for Diversity & Inclusion (CCDI) und der Executive School ein neues Trainingsprogramm für Assistenzärztinnen entwickelt, um sie persönlich zu stärken und sie optimal auf ihre zukünftige Karriere vorzubereiten. In einer Reihe von Online-Trainings und Präsenzveranstaltungen erwerben die Teilnehmerinnen Skills, um mit herausfordernden Arbeitssituationen umzugehen, ihre Resilienz zu stärken und ihre Wirkung in komplexen interprofessionellen Umgebungen zu verbessern. Darüber hinaus erhalten sie wertvolle Ratschläge von Coaches und Inspiration von weiblichen Vorbildern zu Themen rund um Karriere und Vereinbarkeit.

Im Zuge der Weiterentwicklung des Arztberufs und des Gesundheitswesens ist es unser Ziel, mehr Ärztinnen bei der Gestaltung ihrer Karriere und dem Erwerb von Kompetenzen für die Zukunft zu unterstützen, damit sie einen gleichberechtigten Anteil an Führungspositionen einnehmen und die Zukunft des Gesundheitswesens in der Schweiz mitgestalten können. Zudem leistet das neue Programm damit auch einen Beitrag, den gravierenden Fachkräftemangel in der Schweiz zu mildern.

Das Pilotprogramm „Aiming Higher – Karriereentwicklung für Assistenzärztinnen“ startet erstmals am 23. Februar mit 35 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Spitälern der Schweiz.  Weitere Informationen finden Sie auf der Programm-Website.