Diversifikation eine Lebensweisheit

Diversifikation begleitet Dr. Stefan Jaeger schon sein ganzes Leben. Derweil sieht er Diversifikation nicht nur als gute Strategie fürs Portfolio sondern auch fürs Berufs- und Privatleben. Er ist Mitbegründer der Almafin AG, St.Gallen. Die Almafin AG war Ende der Neunziger-Jahre federführend in der Einführung und Umsetzung des ALM in den Schweizer Banken. Mehr als 10 Jahre war Stefan Jaeger anschliessend bei der Wegelin & Co. Privatbankiers als Kundenberater und Niederlassungsleiter tätig. Zuletzt war er CEO der beiden Ausbildungszentren Schloss Wolfsberg und Congresshotel Seepark der UBS AG. Heute ist er Lehrbeauftragter der Executive School an der Universität St.Gallen.

Dr. Stefan Jaeger, was bringen Sie mit dem Begriff Diversifikation in Zusammenhang?

Diversifikation hat in meinem Leben einen hohen Stellenwert. Beruflich bedingt, ist es gewissermassen zur Lebensweisheit geworden, durch meine Tätigkeiten bei verschiedenen Banken, als Dozent an der Universität St.Gallen und durch meine Tätigkeit als Chef im Ausbildungszentrum der UBS am Wolfsberg. Ein kluger Mensch lebt diversifiziert, sei es beruflich, bei der Ernährung, bei sportlichen Aktivitäten oder bei Freundschaften. Konzentriert er sich zu sehr auf eine Sache, kann es leicht zu Abhängigkeiten kommen. Somit ist es umso wichtiger, sich auch in verschiedenen Organisationen zu engagieren oder z.B. auch in der Politik oder anderen Nebenbeschäftigungen ein breites Netzwerk aufzubauen.

Ausserdem ist Diversifikation ein Schlüsselbegriff in der Portfolio-Theorie und im Wealth Management. Im anlagetechnischen Sinne ist Diversifikation ein Muss: Wird sie vernachlässigt, geht man grosse Risiken ein, die vom Markt nicht oder nur ungenügend entschädigt werden. Diese Weisheit kann in allen Lebenslagen Gültigkeit haben.

 

An der Executive School der Universität St.Gallen sind Sie verantwortlich für zwei neue Programme, das Seminar «ALM-Management» und den «CAS in Wealth Management». Worum geht es im Asset- & Liability-Seminar?

Beide Programme richten sich an Führungsverantwortliche in Banken. Beim Programm «Asset & Liablility Management – Erfolgsstrategien für Banken» geht es ums Risikomanagement und die Bilanzsteuerung für Kommerzbanken mit Schwerpunkt im Hypothekar- und Kreditgeschäft. Dabei geht es darum, die Fristigkeiten einzuhalten und die Refinanzierung zu gewährleisten, dass die Bank letztlich nicht in Liquiditätsengpässe gerät. Dies ist die Basis für eine längerfristige Planung und strategische Ausrichtung bei einer Bank. Besonders bei Raiffeisen-, Regional- und Kantonalbanken ist dies ein wichtiges Thema.

 

Im ALM Management erfahren Teilnehmende, wie die Bilanzstruktur zu steuern ist und wie die Fristigkeiten der Verträge aufeinander abgestimmt sein sollen. Was differenziert dieses Programm von anderen?

Es gibt nur wenige Anbieter in der Schweiz, die eine solche Weiterbildung aufgreifen. Das Asset & Liability-Management Seminar ist das einzige seiner Art auf universitärer Stufe und mit einem speziellen Fokus auf die Praxis.

 

Was bringt es den Teilnehmenden?

ALM ist ein relevantes Thema bei Geschäftsleitungssitzungen. Mitglieder der Geschäftsleitung einer Bank müssen Asset- & Liability-Themen interpretieren und nachvollziehen können, sie sollten sattelfest bei Begrifflichkeiten, wie der Duration des Eigenkapitals und bei regulatorischen Themen sein. Teilnehmende können danach die Zinsrisiken auf Gesamtbilanz-Ebene besser einschätzen. Zinsmarge, Eigenkapital-Quote und Zinsrisiko auf dem Eigenkapital müssen im Gleichgeweicht sein. Nur auf dieser Basis können Entscheidungen in Banken richtig und langfristig getroffen werden. So sind Führungspersonen fähig, strategische und taktische Entscheidungen für ihre Bank zu treffen.

Und da kommen wir auch wieder auf die Diversifikation zurück… bei der aktuellen schwierigen Ertragslage im Bankenumfeld und der damit verbundenen Arbeitssituation, ist es umso wichtiger up to date zu bleiben insbesondere auch über die aktuellen gängigen Massnahmen in der Bilanzsteuerung informiert zu sein.

 

Und was lernen die Teilnehmenden im CAS für Wealth Management?

Dieses Programm richtet sich Vermögensverwalter und Privatbanken und gibt Aufschluss über die professionelle Vermögensverwaltung. Im CAS vertiefen Führungskräfte im Wealth Management das Verständnis für die richtige Anlagestrategie und die Wahl bestimmter Anlagestile im Umfeld eines immer komplexeren Marktes und wachsender regulatorischer Herausforderungen. Darüber hinaus sind im Private Banking im Zuge der Digitalisierung neue Fähigkeiten gefragt, die die neuen Bedürfnisse digital affiner Kunden stillen. Zudem geht es um die Weiterentwicklung der Führungskompetenz, denn Unternehmen brauchen motivierte und zufriedene Mitarbeitende, um sich selbst neu erfinden und im Wettbewerb bestehen zu können.

 

Im aktuellen Umfeld der Konsolidierung von Privatbanken, was sollten Akteure beachten?

Es zeigen sich verschiedene disruptive Tendenzen bei Banken. Eine davon betrifft Leadership. Dies mag auf den ersten Blick wenig prominent erscheinen, doch im aktuellen Umfeld äusserst wichtig. Wenn einer Privatbank ein falsches Führungskonzept zu Grunde liegt, kann sie schnell in Schwierigkeiten geraten. Oft sieht man hier einen Kenntnisnotstand. Hierarchische Strukturen hindern Innovation und mitdenkende Mitarbeitende. Lediglich die Adaption eines digitalen Prozesses führt nicht automatisch zu einer digitalen Kultur. Eine transformale Führung hingegeben kann einen Kulturwandel stark unterstützen. Hier möchten wir einhaken und mit unserem CAS Denkanstösse und Ideen vermitteln.

 

Welchen positiven Effekt, darf die Bank von den Absolventen des CAS in Wealth Management erwarten?

Das Know How der Mitarbeitenden und ihr Fundament wird gestärkt für die bevorstehenden Herausforderungen. Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, um am Markt bestehen zu können. Wir zeigen Führungskräften auf, wie sie ihre Mitarbeitenden motivieren und fördern können, weg vom militärischen Führungsstil hin zu mehr Partizipation und wir helfen die fortschreitende Digitalisierungswelle besser fassen und leben zu können.

 

Vielen Dank für Ihre spannende Antworten und alles Gute für die Zukunft!

Über die Autorin / den Autor
Martina Müri Martina ist verantwortlich für alle Public Relations Aktivitäten der Executive School. Vor ihrem Eintritt in die ES-HSG, arbeitete sie als PR-Beraterin und Kommunikationsspezialistin. Sie ist Absolventin der Universität St.Gallen und hält einen Master-Abschluss in International Affairs and Governance (M.A. HSG)