3. Februar 2020

Drei «must have» Skill-Sets für Anwälte

Die juristische Expertise von Anwälten kann einzig als «Spielerlizenz» verstanden werden, um im Rechtsmarkt überhaupt aktiv sein zu dürfen. Sie stellt keine Garantie dar, um überhaupt bestehen geschweige denn um vorne mitzuspielen zu können. Hierfür braucht es heute vermehrt entscheidende Soft Skills, um im hart umkämpften Rechtsmarkt erfolgreich zu sein bzw. zu bleiben. Die relevanten Skill-Sets sind «Wissen, Management und Beziehung». Wer neben seiner Fachexpertise auch diese pflegt und aufbaut, schafft nicht kopierbare Unterscheidungsmerkmale (USP) und differenziert sich deutlich von seinen Mitbewerbern. Sie werden nicht austauschbaren und im Markt gesuchten Persona.

Erstes Skill-Set: «Wissen»

Das Wissen eines Anwalts muss über das – ohnehin erwartete – juristische Fachwissen hinaus erweitert werden. Und nur zur Vermeidung von Missverständnissen: Hier ist nicht die Spezialisierung als Fachanwalt gemeint. Es geht um die Erweiterung durch eine breitere Fach- und andere Expertise, z.B. durch zusätzliche Kenntnisse in anderen Bereichen wie Tax, Accounting, Projektmanagement oder um Kenntnisse zu einem anderen Land oder einer Fremdsprache. Die Kunden werden es überdies sehr schätzen, wenn ein Anwalt nicht nur ausgeprägte Branchenkenntnisse ausweist, sondern auch über besonderes Wissen zum konkreten Kunden verfügt. Informieren Sie sich deshalb vor dem Erstkontakt über die Produkte des Kunden und versuchen Sie zu verstehen, was seine Rahmenbedingungen und die Konkurrenzsituation ist.

Zweites Skill-Set: «Management»

Um ein Unternehmen (z.B. Anwaltskanzlei oder Rechtsabteilung) erfolgreich zu führen, sind moderne Managementkenntnisse unerlässlich. Hierzu zählt zunächst, sich richtig zu positionieren und eine entsprechende Strategie mit dazu passendem Geschäftsmodell zu entwickeln. Basierend darauf sind die Operations einschliesslich der erforderlichen Prozesse und Systeme zu implementieren. Ein spezieller Fokus sollte dabei auf dem Ressourcenmanagement liegen, das menschliche, finanzielle und zeitliche Ressourcen umfasst. Schliesslich geht es um die Führung des Unternehmens.

Drittes Skill-Set: «Beziehung»

Schliesslich geht es um die Beziehungspflege, was oft wohl am Ehesten mit dem Titel der sogenannten Soft Skills assoziiert wird. Hierzu zählen sämtliche Service-bezogenen Eigenschaften (z.B. Zugänglichkeit, Reaktionszeit, Freundlichkeit) und die Führung der Menschen (z.B. Mitarbeiter, Kunden, sich selber). Ganz wichtig ist auch eine verständliche, transparente und adressatengerechte Kommunikation in Wort und Schrift. Im unmittelbaren Kontakt mit anderen Menschen zählen insbesondere auch die Präsentationskompetenzen, wobei hierbei die Körpersprache nicht zu unterschätzen ist, und die Fähigkeit, Lösungen auch bildlich zu visualisieren (also nicht nur in Textform, was Anwälten intuitiv näher liegt). Schliesslich, was Anwälten oft als Kernkompetenz zugeschrieben wird, sind die eigenen Verhandlungskompetenzen weiter zu vertiefen und diese laufend zu praktizieren.

Erst das ganze Bündel dieser drei Skill-Sets stellt sicher, dass man als Rechtsdienstleister auch in Zukunft Kunden gewinnen und nachhaltig zufriedenstellen, und sich damit gegenüber den Wettbewerbern erfolgreich abgrenzen kann.

 

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Über die Autorin / den Autor
Prof. Dr. Bruno Mascello Akademischer Direktor der Executive School of Management, Technology and Law der Universität von St.Gallen, Direktor des Executive Weiterbildungsprogramms für Juristen “Management for the Legal Profession (MLP-HSG)”, Rechtsanwalt, Dozent und Autor zu verschiedenen Fragen an der Schnittstelle von Recht und Management.