26. Oktober 2017

Erfahrungsorientiertes Lernen: Was können «Erfahrungen» zum Lernen beitragen?

Erfahrungsorientiertes Lernen ist, vereinfacht ausgedrückt, der Vorgang des Lernens durch Erfahrungen. Aber was bedeutet das? Und wie unterscheidet es sich von handlungsorientiertem Lernen und Lernen in der Gruppe?

Der Begriff «erfahrungsorientiertes Lernen» bezeichnet vor allem den Lernprozess des einzelnen Teilnehmers, der von Faktoren wie der individuellen Situation des Teilnehmers und der Lernumgebung beeinflusst wird.

Gerade weil erfahrungsorientiertes Lernen der individuellen Meinungsbildung innerhalb des Lernprozesses eine so grosse Bedeutung zumisst, spielt sie in unserer Lehrphilosophie für Custom Programmes eine zentrale Rolle. Dabei beginnt man damit, den Teilnehmern zu erklären, wie sie eine Aufgabe erfüllen oder einen Prozess steuern. Um aber ein tieferes Verständnis zu fördern, legen wir Wert darauf, dass sie die Gelegenheit erhalten, diese Aufgaben oder Prozesse selbst zu erleben. Durch eigene Erfahrungen erhalten Lernende die Möglichkeit, die vielfältigen Dimensionen eines Prozesses oder einer Tätigkeit zu erkennen, sie in Gänze zu erfassen und gegebenenfalls auf sie zu reagieren. Dieses Wissen ist allerdings nicht ohne Aufwand zugänglich – die Teilnehmenden müssen bereit sein zu arbeiten! Aktive Teilname, Selbstreflexion, analytisches Denken und Problemlösungskompetenz sind entscheidende Voraussetzungen, damit Lernende den grösstmöglichen Nutzen aus ihrem neu erworbenen Wissen ziehen und dieses in ihr Leben und ihre Arbeit einfliessen lassen können (Kolb 1984). Doch als Lohn erhalten sie wirkungsvolle Hilfsmittel und das Wissen, wie diese optimal einzusetzen sind.

Photo via Visual Hunt

Über die Autorin / den Autor
Dr. Rachel Brooks
Dr. Rachel Brooks ist Leiterin Executive Education am Kompetenzzentrum für Soziale Innovation an der Universität St.Gallen (CSI-HSG). Sie unterstützt Praktiker*innen aus dem staatlichen, privaten und sozialen Sektor bei der Entwicklung von Denkweisen, Fähigkeiten und Werkzeugen, um in einem komplexen und ungewissen Umfeld schnell und effektiv handeln zu können. Zuvor arbeitete sie bei den Custom Programmes an der Executive School der Universität St.Gallen und in Lateinamerika. Rachel hat einen Bachelor des Smith College in Lateinamerika und einen Master der New York University in Lateinamerikanischen- und Karibik-Studien. Sie wurde mit dem Henry MacCracken Fellowship ausgezeichnet. An der Universität St.Gallen, wo sie ihre Doktorarbeit absolvierte, erhielt sie ein Stipendium im Rahmen des vom SNF finanzierten ProDoc-Programms "Dynamics of Transcultural Management and Governance in Latin America" am Centro Latinoamericano-Suizo. Sie promovierte 2016 in Organisationsstudien und Kulturtheorie.