12. Juli 2021

Junges Denken laut machen

Die Generation Z wird in den kommenden Jahren den Arbeitsmarkt entscheidend prägen. Wir haben die führende Stimme der Generation Z in der Schweiz, Yaël Meier, zum Gespräch getroffen. Sie gibt uns einen spannenden Einblick in ihre Arbeitswelt und verrät, was ihr bei der Zusammenarbeit mit anderen und bei der Rekrutierung neuer Mitarbeitenden wichtig ist.

  1. Yaël, in einem Fernseh-Interview hast du letzthin gesagt, dir sei es wichtig, «Junges Denken laut zu machen». Wie meinst du das?

Jungen Menschen spricht man oft die Kompetenzen ab und traut ihnen viel zu wenig zu. Dabei ist es extrem wichtig, dass Junge ihre Meinung einbringen können und zwar in allen Lebensbereichen. Meine Generation wird oft nicht ernst genommen – das will ich ändern.

 

  1. Weshalb ist die Stimme der Generation Z, der zwischen 1995 und 2010 geborenen Menschen, relevant für Firmen und Organisationen?

Die Generation Z umfasst in der Schweiz fast 1,4 Millionen Menschen, weltweit sind es 3 Milliarden. Sie sind in einem völlig anderen Kontext aufgewachsen als ihre Vorgänger und entsprechend haben sich auch ihre Ansprüche verändert. Für Unternehmen ist es extrem schwer sie zu verstehen geschweige denn zu erreichen. Wenn ich zum Beispiel an die Weiterentwicklung eines Produktes denke, bin ich überzeugt, dass man mit einem altersdurchmischten Team zu viel besseren Lösungen kommt. Gucci hat beispielsweise vor drei Jahren ein sogenanntes «Shadow Board» aus Vertreterinnen und Vertretern der Generation Z ins Leben gerufen. Im Austausch mit diesem Board ist es der Marke gelungen direkt mit ihrer Zielgruppe zu sprechen, statt nur über sie, so dass es letztlich gelungen ist, die Marke in dieser Altersgruppe neu zu positionieren. Genau dabei helfen wir mit unserem Unternehmen ZEAM.

Executive School Studiengang:
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Informations- und Austauschplattform für die Praxis
  1. Du hast dich als knapp 20-Jährige, selbständig gemacht und berätst nun mit deiner Agentur Unternehmungen, die ihre junge Zielgruppe besser verstehen möchten. Wieso hast du nicht den klassischen Weg über ein Studium oder eine höhere Ausbildung gewählt?

Nach der Matura begann ich im Journalismus zu arbeiten und merkte sehr schnell, dass mich die Theorie viel weniger interessiert als die Praxis. Ich konnte in meinem Job eigene Projekte umsetzen und wusste, dass das Unternehmertum meine Passion ist. Da stellte sich mir die Frage, warum überhaupt studieren, wenn ich ohne Studium meine Karriere sogar schneller vorantreiben kann.

 

  1. Ein Studium konntest du dir nie vorstellen?

Zu Beginn schon, ich war sogar mal ein Semester lang bei Betriebswirtschaft an der UZH eingeschrieben. Ich wollte da alles wichtige lernen um Unternehmerin zu werden. Das Studium war mir aber zu theoretisch und mit der Gründung von ZEAM habe ich es direkt wieder abgebrochen. Ich bin überzeugt, dass man Universitäten neu denken muss, in einer Zukunft, in der immer mehr Leute studieren werden.

 

  1. Zurück zu deinen Tätigkeiten. Welches sind deine Erfahrungen in Bezug auf das Verständnis für die Generation Z bei Unternehmen?

Wer mit uns zusammenarbeitet, möchte etwas verändern, so dass ich eine grosse Offenheit gegenüber unseren Ideen spüre. Grundsätzlich denke ich, dass vielen Unternehmen bewusst ist, dass die Generation Z auch für sie extrem relevant ist und in Zukunft noch mehr sein wird. Gleichzeitig kursieren sehr viele verschiedene Meinungen zu meiner Generation, die auf trockener Theorie oder Annahmen beruhen.

 

  1. Was ist dir persönlich besonders wichtig bei der Arbeit und in der Zusammenarbeit mit anderen?

Für mich es ist wichtig, auf Augenhöhe zu kommunizieren sowie offen und direkt zu sein. Ich will auf meine Mitarbeiter zählen und ihnen Verantwortung übergeben können.

 

  1. Wir in unserem Bereich «Career Relaunch» beschäftigen uns oft mit Rekrutierungsprozessen und versuchen, diese möglichst inklusiv und fair zu gestalten. Worauf legst du Wert bei der Rekrutierung deiner Arbeitskolleginnen und -kollegen?

Für uns zählt, dass die Person Feuer & Flamme für die Sache ist und viel Energie und Drive mitbringt. Die Ausbildung spielt dabei überhaupt keine Rolle.. Wir haben bis jetzt alle unsere Mitarbeitende über Zoom-Gespräche kennengelernt und viele überhaupt noch nie persönlich getroffen. Gerade sind wir jedoch daran ein Team-Event zu organisieren – dabei wird es aber nicht um Arbeit gehen.

 

  1. Vertreterinnen der Generation Y stehen der Generation Z sehr kritisch gegenüber und monieren, dass diese eine sehr hohe Erwartungshaltung hat und stets davon ausgeht, dass immer alles sofort da ist und zur Verfügung steht. Kannst du diese Kritikpunkte nachvollziehen?

Ja, auf eine gewisse Weise schon, ich bin aber überzeugt, dass uns diese Haltung auch weiterbringen wird und für die Zukunft ein Vorteil sein kann. Für uns ist es wichtig, dass Lieferungen, zum Beispiel im Online-Handel, extrem schnell erfolgen und die Prozesse möglichst effizient gestaltet sind. Wir wurden alle in eine digitalisierte Welt hineingeboren und kennen nichts anderes. Das ist eine komplett andere Lebenswelt, als diejenige der Generationen vor uns.

 

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Yaël Meier, 21, ist Mitgründerin von ZEAM. Als junge Stimme in der Business- und Medienwelt erkennt Yaël das Potenzial der Gen Z. Sie redet über Ansichten, Träume, Probleme und Lebenswelten junger Schweizerinnen und Schweizer. Als Schauspielerin und Journalistin setzt und erkennt Yaël Trends in der Populär- und Jugendkultur. Yaël wurde als Forbes 30 under 30 und LinkedIn Top Voice 2020 ausgezeichnet.

 

Das Career Relaunch Team der Executive School der Universität St.Gallen setzt sich seit vielen Jahren für den beruflichen Wiedereinstieg und die Neupositionierung von Menschen mit nicht linearen Lebensläufen ein. Neben dem Zertifikatslehrgang «Women Back to Business» ist die neu lancierte Karriereplattform «Career Relaunch» (Verlinkung auf career-relaunch.ch) dabei eine wichtige Anlaufstelle auf dem Weg zur beruflichen Neuorientierung.

Über die Autorin / den Autor
Sarah Lenz Sarah Lenz hat einen Master in Sportwissenschaften & einen in Publizistik- und Medienwissenschaften. Vor ihrem Eintritt in die Executive School unterrichtete sie auf verschiedenen Schulstufen und war anschliessend mehr als zehn Jahre als Kommunikationsspezialistin in der Finanzbranche tätig.