Mit einer digitalen Tagung ist die Hürde kleiner

Der Moment kommt. Die Kinder verlassen am Morgen das Haus. Es kehrt Stille ein. Was nun? Meine Freundin hatte einen Plan und sich eine Stelle in einer Agentur geangelt. Doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung - ihr wurde vor Antritt bereits wieder gekündigt. Was folgte war ein schwarzes Loch und irgendwie keine Perspektive. So wie ihr geht es vielen Müttern aber auch Vätern, die sich jahrelang Voll- oder mit einem grösseren Pensum um die Kinder gekümmert haben. Wenn kein Plan für «danach» vorhanden ist, kommt irgendwann das böse Erwachen.

Meistens ist dieser Moment um die Vierzig. Das heisst, ein grosser Teil der zu leistenden Arbeitsjahre sind bereits verstrichen. Es ist ebenso bekannt, dass die meisten Karrieren zwischen 30 und 40 beginnen. Für die Mehrheit, die Kinder hatte, stoppten Anpassungen, Kompromisse und Fürsorge den Karriereschwung, mit dem sie starteten. Ist mit 40 die Chance auf eine Karriere also vorbei?

Mit Vierzig wäre man doch eigentlich bereit, richtig durchzustarten und auf die meist männlichen Gleichaltrigen aufzuschliessen, die in den Dreissigern an einem vorbeigaloppiert sind. Leider sind die meisten Unternehmen noch nicht bereit. Sie stützen sich noch immer auf (zunehmend veraltete) männliche Normen: lineare, ununterbrochene Karrieren, die sich in den dreißiger Jahren beschleunigen. Zudem haben sie das Potenzial von Wiedereinsteiger*innen noch nicht erkannt. Wenn diese Frauen (und vermehrt auch Männer) „wiederauftauchen“ und in den Vierzigern nach mehr drängen und den nächsten Schritt in ihrer beruflichen Laufbahn machen möchten, sind sie aus dem Raster gefallen. Sie sind/waren auch oft in Teilzeit-Positionen tätig und wurden deshalb gar nicht erst für eine Führungsposition in Betracht gezogen.

Wie bringt man nun die eigene Karriere wieder in Schwung? Wie schafft man den Wiedereinstieg? Vor allem aktuell ist es noch schwieriger, sich sichtbar zu machen und wieder eine Stelle zu finden. Ein Lichtblick: Es gibt Unternehmen, die das Potenzial von Wiedereinsteiger*innen erkannt haben. UBS, Johnson & Johnson, die Credit Suisse oder die SBB bieten Wiedereinstiegsprogramme an. Auch die Executive School der Universität St. Gallen bietet seit über zehn Jahren erfolgreich das Programm «Women Back to Business» an. Doch fehlt den Wiedereinsteiger*innen oft der Mut, den «Gump» in ein solch umfassendes Programm zu wagen. Mit «Career Relaunch 2021» bietet nun die Executive School eine virtuelle Tagung an, bei der Frauen und Männer Wiedereinstiegsluft schnuppern können. In Workshops lernen sie, wie sie ihren CV gestalten können und professionell auf LinkedIn auftreten. Inputs von Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik machen Mut, einen Schritt vorwärts zu machen.

Die Tagung hätte eigentlich physisch stattfinden sollen, doch mit der Corona-Situation wird sie nun digital durchgeführt. Vielleicht hat aber eine digitale Tagung einen entscheidenden Vorteil: Die Hürde mitzumachen ist kleiner. Für Frauen und Männer bietet sich die Gelegenheit, Wiedereinstiegsluft aus den vertrauten eigenen vier Wänden zu schnuppern und sich rein digital sichtbar für potenzielle Arbeitgebende zu machen.

Viele unserer Weiterbildungs-Interessentinnen fragen uns, ob sie nicht zu alt für eine Weiterbildung seien. In einem Artikel von Forbes wird auf die vielen Frauen verwiesen, die erst mit über 50 mit ihrer Karriere so richtig durchstarteten und sichtbar wurden. Angela Merkel beispielsweise wurde mit 50 zur Kanzlerin. Christine Lagarde ist über 60. Auf diese Vorbilder sollten wir unseren Fokus legen. Es ist nie zu spät, den Weg für eine Karriere weiterzugehen.