Online Learning Industrie in 2017

Auch die Ausbildung von Führungskräften ist vom Vormarsch der Digitalisierung nicht ausgenommen. Wie ist der Stand der Online-Lernbranche im Jahr 2017?

Ein weites Feld 

Wie in den meisten Informationsindustrien prägte Offenheit die erste Produktion und Distribution von E-Learning- und Online-Bildungskursen im Allgemeinen.

Als die Industrie sich weiterentwickelte führte der Anstieg der technischen Standards sowie die Suche nach zuverlässigen, qualitativ hochwertigen Inhalten zu einer Bündelung der Angebote. Dennoch müssen Institutionen, die daran interessiert sind, moderne Lernmethoden anzuwenden, oder Personen, die nach bestimmten Kursen suchen, Zeit in die Bewertung der vielen verschiedenen Angebote investieren.

Eine nützliche Ressource für diese Bewertung ist Class Central, eine Webseite, die auf die Beobachtung der Online-Lernbranche spezialisiert ist. Auf ihr ist eine Anbieterliste zu finden, die kommerzielle und institutionelle Anbieter beinhaltet, wie Universitäten und Fakultäten aus der ganzen Welt. Obwohl die Liste mehr als hundert verschiedene Anbieter umfasst, konzentriert sich die grosse Mehrheit der Inhalte auf einige wenige grosse Anbieter. Class Central bietet auch einen jährlichen MOOC-Bericht.

Zu den bedeutenderen zählen CourseraUdacity und eDx. In Zusammenarbeit mit führenden Universitäten (z. B. Havard, Stanford usw.) bieten diese Anbieter eine beträchtliche Menge an Inhalten. Die ursprünglich mit Freemium- oder Pay-for-Diplom-Modellen an den Start gegangenen Online-Kursanbieter sind zu einer Lizenz oder monatlichen Gebühr übergegangen. Es gibt noch ein paar andere Namen, die massgeschneiderte Lösungen anbieten, wie etwa opensesame. Bezahlte Modelle sind noch immer Gegenstand intensiver Diskussionen.

Kursqualität und verborgene Schätze
Auf beinahe allen Plattformen haben die Benutzer die Möglichkeit, Kurse zu evaluieren und zu bewerten. Nützlichkeit, Inhalt und Video-/Tonqualität sind die Hauptaspekte dieser Evaluationen.

Es lohnt sich, vor Beginn eines Kurses sowohl gute als auch kritische Bewertungen zu lesen, da die Rezensionen sehr aufschlussreich sein können.

Manchmal können Kurse mit 5 Sternen im Vergleich zu unbekannteren Kursen immer noch von mittelmässiger Qualität sein und Benutzerkommentare helfen dabei, diese verborgenen Schätze zu entdecken.

Die überwiegende Mehrheit der Kurse folgt einem klassischen Videos + Quiz-Stil. Dies gilt sowohl für institutionelle (Universitäten, Fakultäten) als auch für professionelle E-Learning-Anbieter (Autorenagenturen). Interaktive Module sind teuer und ihr Design komplex, was dazu führt, dass diese Arten von Komponenten weniger üblich sind. Professionellere Kurse gestalten ihre Unterrichtsstunden mit einer Menge herunterladbarer Inhalte, darunter Vorlesungsfolien, Übungen, Tabellen, Grafiken oder Do-it-yourself-Code für auf Mathematik/Finanzwesen basierende Kurse.

Auswirkung

Die Diskussion über den Erfolg oder Misserfolg des Online-Lernens verlief wechselhaft. Wie bei vielen Trends wurde es zunächst als eine neue Bildungsrevolution beschrieben, doch die höhere Reichweite ging nicht Hand in Hand mit einer ähnlich erfolgreichen Teilnahme. Dennoch entwickelt sich das Online-Lernen, sei es in Form von MOOCs, Blended Learning oder ähnlichen Methoden, zu einem festen Trend in der Primär- und Sekundarbildung und setzt klare Zeichen in der Hochschulbildung und in Führungskräftetrainings (wenngleich der Begriff digitales Lernen recht häufig als Sammelkonzept verwendet wird).

 

Bild: Istockphotos

Über die Autorin / den Autor
Julio Prina Julio Prinas Karriere begann in seiner Heimat Brasilien. Dort erwarb er einen Master in Public Policies und arbeitete als Projektleiter, Sozialarbeiter und Forscher. In der Schweiz setzte er sein Studium fort und erhielt einen Master in Law & Economics an der Universität St. Gallen.Nach ein paar Jahren als Projektleiter und Berater für ein Schweizer Hightech-Unternehmen, unterstützt er jetzt die Executive School als Technology Based Learning Manager.