People Analytics: Fünf Beispiele aus der Praxis

Künstliche Intelligenz und das Sammeln von Daten gewinnen immer mehr an Bedeutung. Es ist an der Zeit, dass Analysen im Bereich People Analytics zeigen, welchen Wert sie dem Unternehmen bieten können. Jedes Unternehmen ist unterschiedlich und deshalb sind auch die Anwendungsmöglichkeiten sehr vielfältig. Der Begriff ist allerdings noch sehr abstrakt und es finden sich aktuell zu wenige Beispiele. Hier finden Sie fünf Fälle, welche sich in der Unternehmenspraxis häufig bewährt haben. Jede Fallstudie ist mit konkreten Auswirkungen auf die unternehmerische Praxis verbunden.

1) Wann sich ein Mitarbeiter:innen-Training für ein Unternehmen auszahlt
People Analytics kann aufzeigen, welche Trainings sich wirklich auszahlen. Analyst:innen fanden z.B. in einem FMCG Unternehmen heraus, dass sich die Schulung des Ladenpersonals positiv auf die finanzielle Leistung des Ladens und somit positiv auf den ROI auswirkte. Dies wurde durch A/B-Tests gemessen. Das heisst, eine Hälfte bekam ein Training und die andere Gruppe nicht. Am Ende verglichen Analyst:innen beide Gruppen und sahen, dass die Gruppe, die eine Schulung erhalten hatte, auch wirtschaftlich erfolgreicher war.

 

2) Risikofaktoren von Fluktuation entdecken und Kosten sparen
Analysen der Mitarbeiter:innen-Fluktuation sind populär in Zeiten der „great resignation“. Einen Mitarbeitenden ersetzen zu müssen, kann teuer für ein Unternehmen werden. People Analytics kann im Unternehmen an zwei Punkten ansetzen: Erstens kann mithilfe von Datenanalysen bestimmt werden, ob das Unternehmen überhaupt ein Problem mit der Fluktuation hat und ab welchem Zeitpunkt sich Mitarbeitende für ein Unternehmen rechnen. Dies kann als Entscheidungshilfe dienen, ob nächste Schritte unternommen werden müssen. Falls das Unternehmen eine hohe Wechselrate aufweist und etwas dagegen tun möchte, kommt der zweite Punkt zum Tragen: Analysieren und darlegen, warum Mitarbeitende kündigen. Diese Informationen werden Manager:innen anonym zur Verfügung gestellt, damit sie die Risikofaktoren für die Fluktuation reduzieren können.

 

3) Der Zusammenhang von inspirierender Führung und Unternehmenswachstum
Ein anderer häufig untersuchter Fall ist der Zusammenhang zwischen der Mitarbeiter:innen-Wahrnehmung der Führungskraft und dem ROI des Unternehmens. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern eine von den Mitarbeitenden als inspirierend bewertete Führungskraft (z.B. aus Fragebogendaten) auch mehr zum ROI des Unternehmens beiträgt. Die Beziehung – zwischen weichen Faktoren wie der inspirierenden Führung und dem ROI – ist nur bedingt messbar. Dennoch konnte unter Berücksichtigung weiterer Variablen gezeigt werden, dass eine inspirierende Führungskraft auch zu einem höheren ROI beiträgt. Besonders im Bereich Wachstum wurde dieser Zusammenhang deutlich (im Durchschnitt 0.1% mehr Wachstum).

 

4) Zielgruppengerecht Feedback sammeln, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken
Vor allem im Gesundheits- und Logistikbereich sowie in anderen Branchen fehlen Fachkräfte. Es gilt also, bestehende Mitarbeitende zu motivieren und halten. Deshalb ist es besonders relevant, von ihnen zielegruppengerechtes Feedback und Daten zu sammeln. Dies kann gelingen über kurze Micro-Umfragen und Textanalysen der Kommentare. Mit einfach nachvollziehbaren Dashboards für das Management kann hier People Analytics einen Beitrag dazu leisten, Probleme schnell zu erkennen. Die Verantwortlichen können basierend auf diesen Analysen Lösungsansätze ableiten, um das Wohlbefinden innerhalb der Belegschaft zu erhöhen und um so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

 

5) Personalplanung für die Zukunft

People Analytics unterstützt, mithilfe von Daten-Analysen, kritische Talentlücken im Voraus zu prognostizieren und einzuordnen. Weitere Vorteile bietet People Analytics: …

  • den Finanzplaner:innen, um die Mitarbeiter:innen-Kosten genauer für die Zukunft zu planen,
  • den Talent Manager:innen, um gezielt Talente, die fehlen werden, frühzeitig für das Unternehmen zu gewinnen und
  • den HR-Verantwortlichen, damit diese die intern benötigten Fähigkeiten und Fertigkeiten den zuständigen Personen zeitnah vermitteln können.

Die Liste könnte noch weitergeführt werden, denn die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und individuell. In unserem Kurz-Programm «Leadership through People Analytics and Trust» erhalten Sie die Grundlage für die effektive Anwendung von People Analytics. Sie erkennen die Vorteile von Business Intelligence und lernen, wie Sie die beiden wichtigsten Merkmale von Führung im digitalen Zeitalter fördern können: digitale Kompetenz und Vertrauen.

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Über die Autorin / den Autor
Dr. Lucia Görke Dr. Lucia Görke arbeitet als "Global Head of People Analytics" bei Novelis und unterrichtet daneben an der Universität St.Gallen. Zuvor hat sie an der Graduate School of Decision Sciences der Universität Konstanz und an der NYU promoviert. Thematisch beschäftigte sie sich mit der Frage, wie autonome Teams im Vergleich zu gemanagten Teams eine bessere Leistung zeigen, wenn sie Zielerreichungsstrategien einsetzen. Während ihrer Promotion arbeitete Lucia auch als Beraterin für ein Schweizer Finanzdienstleistungsunternehmen. Davor war sie in verschiedenen Funktionen bei der Allianz SE tätig.