7. Dezember 2017

Standortnachteile für KMU der Schweizer Maschinenindustrie?

Die Industrie hat in der schweizerischen Volkswirtschaft eine hohe Bedeutung – trägt sie doch rund einen Fünftel zur Wertschöpfung bei. Das Rückgrat der Industrie sind die KMU. Unter dem Titel «Volkswirtschaftliche Bedeutung und Problematiken der KMU der Schweizer Maschinenindustrie – mit besonderer Berücksichtigung der von Swissmechanic organisierten Betriebe» erstellten Prof. em. Dr. Franz Jaeger und Dr. Tobias Trütsch eine Studie im Auftrag von Swissmechanic und der Gewerkschaft Unia.

Starker Franken als Standortnachteil

Für die Studie wurden rund 200 Mitgliedsunternehmen von Swissmechanic befragt. Mit alarmierenden Ergebnissen.

Der überbewertete Schweizer Franken wird von den Firmen mit Abstand als grösster Standortnachteil bezeichnet. So hatte die Frankenstärke bei knapp 40% der befragten Betriebe negative Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die Gewinnmargen als zweitgrösstes Standortproblem haben sich im Zeitraum 2014-2016 wegen dem starken Franken bei über 50% der Unternehmen verschlechtert. Aktuell liegt bei fast der Hälfte aller Firmen die Gewinnmarge bei weniger als 5%, was längerfristig nicht verkraftbar ist. Zehn Prozent schreiben gar Verluste.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Firmen Schwierigkeiten haben, Kredite zu erhalten:

2015 wurde jedem fünften Unternehmen ein Kredit zur Finanzierung seiner Geschäftstätigkeit verweigert. In den Jahren davor und danach jedem achten. Zudem musste jedes dritte KMU eine hypothekarische Sicherheit hinterlegen

Strategisches Wechselkursziel gefordert

Die Studienautoren kommen aufgrund der Analyse zu mehreren Handlungsempfehlungen: Die Nationalbank muss ein strategisches Wechselkursziel zwischen 1,18 und 1,20, Franken/Euro anstreben. Zur Lösung der Kreditklemme müssen alternative Finanzierungsformen jenseits von Bankkrediten angedacht und das Bürgschaftswesen für KMU verbessert werden. Auch die Anlagevorschriften der Pensionskassen sind zu überprüfen. Die berufliche Aus- und Weiterbildung ist als Basis für Innovation zu stärken, gerade angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung.

Die Studie ist hier abrufbar.

 

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Über die Autorin / den Autor
Dr. Tobias Trütsch Tobias Trütsch leitet den Bereich Economics an der Executive School der Universität St.Gallen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Zahlungs- und Geldökonomie, insbesondere mit Fokus auf innovative Zahlungsmittel und individuelles Zahlungsverhalten.