6. März 2018

Wie Kanzleien und Rechtsabteilungen die nächste Welle überleben könnten

Es besteht kein Zweifel: Der Rechtsmarkt ist heute mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, u.a. auch mit der Frage betreffend Digitalisierung und LegalTech. Was bedeutet das für die heutigen Rechtsdienstleister und wie muss das Ganze im Kontext gelesen werden? Es soll versucht werden, dies mit der Theorie der «zwei Wellen» zu erklären.

  1. 1. Welle

Bis vor wenigen Jahrzehnten galten Anwaltskanzleien noch als unbestrittene Anbieter von Rechtsdienstleistungen. Die Kunden haben dann jedoch begonnen, ihre eigenen internen Rechtsabteilungen zu gründen und kontinuierlich weiter auszubauen. Heute erledigen diese bereits bis zu 75% der beim Kunden anfallenden Rechtsarbeiten. Es gibt natürlich zahlreiche Gründe, weshalb die Kunden so reagiert haben. Auf jeden Fall müssen sie mit den auf dem Markt zur Verfügung stehenden Angeboten unzufrieden gewesen sein. Sie haben deshalb entschieden, zu handeln und ihre Probleme selber zu lösen. Viel interessanter scheint mir jedoch die Frage, weshalb die externen Anwälte als ehemals exklusive Anbieter es zugelassen haben, dieses Marktpotenzial widerstandslos aufzugeben. Geschah dies bewusst basierend auf strategischen Überlegungen, war es mangelndes Interesse an diesen Arbeiten oder schlicht nur ein Versehen? Fakt ist, dass die externen Anwälte einen substantiellen Marktanteil aufgegeben haben, und vermutlich für immer.

 

  1. 2. Welle

Als ob das nicht schon genug wäre. Gegenwärtig baut sich eine zweite Welle bestehend aus sogenannten alternativen Rechtsdienstleistern auf, die jetzt die beiden traditionellen Rechtsanbieter, also Kanzleien und Rechtsabteilungen, herausfordern. Dazu zählen zum Beispiel Finanzdienstleister, die ihren Kunden Rechtsdienstleistungen erbringen, Rechtsschutzversicherer, die Rechtsarme der grossen Revisionsgesellschaften und natürlich alle anderen Anbieter, die sich grob unter den neuen Begriffen NewLaw oder LegalTech zusammenfassen lassen. Diese alternativen Anbieter haben begonnen, erste Teile des Rechtsmarktes zu besetzen, und sie äussern die Absicht, schnell weiterwachsen zu wollen.

  1. Executive School Studiengang:
    Law & Management

    Management for the Legal Profession

    Betriebswirtschaftliche Kompetenzen für Juristinnen und Juristen mit Anschluss zum EMBA

Die Frage ist deshalb, ob und wie sich die beiden klassischen Rechtsdienstleister darauf vorbereiten können und wollen, um ihre Position zu halten. Für Anwaltskanzleien ist die Herausforderung noch viel grösser, weil sie – aus Sicht der Kunden – weder besser noch günstiger scheinen als die anderen beiden Alternativen. Auf jeden Fall stehen dem Rechtsmarkt weiterhin interessante Zeiten bevor.

Law Firms, Legal Departments and Alternative Legal Service Providers - by Dr. Bruno Mascello
Law Firms, Legal Departments and Alternative Legal Service Providers – by Dr. Bruno Mascello

Für einen einfachen Chart hierzu und mehr Informationen vergleiche die beiden Artikel BusinessLawMagazine, No 1, March 1, 2018 (englisch) und Anwaltsrevue, 1/2018 (deutsch).

Photo by Peter Chamberlain on Unsplash

 

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Über die Autorin / den Autor
Dr. Bruno Mascello Seit 2012 Vize Director der Executive School of Management, Technology and Law  der Universität St.Gallen.  Von 2000 - 2011 Chief Operations Officer (COO) Group Legal, Regional General Counsel Middle East, Coordinator Konzern Rechtsabteilung, Head Legal Procurement/HR/IT/IP bei Zurich Financial Services.2011 Executive MBA HSG  der Universität St.Gallen2009 Executive Diploma HSG in Management for the Legal Profession, Universität St.Gallen1999 LL.M. (Master of Laws in Comparative Jurisprudence), New York University School of Law1996 Zulassung als Rechtsanwalt (Schweiz)1995 Dr. iur. HSG, Universität St.Gallen, Juristische Fakultät1991 lic. iur. HSG, Universität St.Gallen, Juristische Fakultät