9. Juli 2019

Wirksame Compliance verlangt, die anwendbaren Regeln zu kennen. Aber ist das schon alles?

Prof. Dr. Bruno Mascello spricht über erfolgreiches Umsetzen von Compliance. Aber was heisst das genau? An was muss alles gedacht werden und wie vermittle ich die Vorschriften und Regeln an die Mitarbeitenden?

Compliance kann aus keiner unternehmerischen Tätigkeit mehr weggedacht werden, hört man oft. Aber stimmt das wirklich, und was ist Compliance überhaupt?

  • Compliance betrifft nur das Einhalten von Gesetzten, oder? Diese Aussage ist sicher zu eng. Denn Regeltreue erfasst sämtliche geltenden Regelungen, also allgemeingültige gesetzliche und regulatorische Regeln, spezifische Branchenrichtlinien und auch ganz spezielle nur für das jeweilige Unternehmen geltende Vorschriften!
  • Aber Compliance betrifft nur Grossunternehmen, oder? Nein, die mediale Konzentration auf grosse Unternehmen täuscht darüber hinweg, dass sich auch KMUs und Einzelfirmen schon immer an Regeln halten mussten und natürlich auch künftig müssen!
  • Die Medien zeigen es doch deutlich: Compliance betrifft nur die Banken und die Finanzwelt, oder? Auch diese Meinung stimmt nicht, denn ein korrektes Regelverhalten wird genauso von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen erwartet!
  • Hand aufs Herz, Compliance betrifft doch wirklich nur die Complianceabteilung, und diese muss das angemessene Verhalten für alle sicherstellen, oder? Nein, auch diese Aussage stimmt nicht! Korrektes Verhalten wird nicht nur vom CEO oder dem Compliance Officer, sondern auf allen Hierarchiestufen bis hin zum Sachbearbeiter verlangt.

Zwischenergebnis: Compliance ist mittlerweile bei allen Bezugsgruppen in der Wirtschaft sichtbar angekommen. Aber wie stellt man eigentlich die geforderte Compliance sicher?

Executive School Studiengang:
Law & Management

Compliance Management

Den sicheren Umgang mit Regeln und dem Thema Compliance lernen.

Wenn man von Unternehmen spricht, die Compliance erfolgreich umsetzen, dann erfüllen diese die gestellten Anforderungen in allen drei Teilbereichen:

(1) Zunächst müssen sie stets einen aktuellen Überblick über die für sie relevanten Gesetze, regulatorischen Vorschriften und alle anderen geltenden Regeln haben. Sie verstehen also nicht nur, welche branchenspezifischen Gesetze relevant sind und vollzogen werden müssen, sondern sie wissen auch, welche anderen generellen gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen für sie anwendbar sind.

(2) Dann verstehen sie es, dieses Wissen in leicht verständlicher Art mit praktischen Umsetzungsmassnahmen sämtlichen Mitarbeitenden des Unternehmens so zu vermitteln. Ziel ist es, dass die Mitarbeitenden die Regeln nicht nur verstehen, sondern auch tatsächlich und effektiv umsetzen können. Hierfür reichen oft per E-Mail zugestellte Informationen, manchmal müssen hierzu aber elektronische Tools eingesetzt werden, und in bestimmten Fällen braucht es sogar Trainings in Kleingruppen oder hierarchiespezifische Anleitungen.

(3) Das Recht zu kennen und es auch richtig zu vermitteln reicht aber nicht, wenn man die Mitarbeiter nicht «erreicht». Erst also wenn das Unternehmen seine Mitarbeiter davon überzeugen kann, dass es für das Unternehmen und seine Aussenwirkung das Beste ist, die besagten Regeln einzuhalten, d.h. wenn sich jeder Mitarbeiter von sich aus regelkonform verhalten will, nur dann wird ein Unternehmen auch eine positive Compliance-Kultur entwickeln, die das Einhalten von Regeln nachhaltig tragen wird.

Ergebnis: Die Ausgangslage bildet also das Kennen der relevanten Vorschriften und Regeln, und das gilt für alle Hierarchiestufen eines Unternehmens.

Über die Autorin / den Autor
Prof. Dr. Bruno Mascello Vice Director of the Executive School of Management, Technology and Law at the University of St.Gallen, Director of the executive programme for lawyers “Management for the Legal Profession (MLP-HSG)”, attorney at law, lecturer and author dealing with various topics at the intersection of law and management.